Im Land der Schwarzen Grafen und Sensenschwinger – Entlang der Eisenstraße

|Ich wurde zu dieser Reise eingeladen|

Kreativ und kulturell unterwegs waren Thomas und ich entlang des Kulturparks Eisenstraße in Niederösterreich, um nicht nur altes Handwerk inmitten des Mostviertels zu bestaunen, sondern es selbst auszuprobieren. Getreu nach Konfuzius:

„Erzähl mir etwas und ich werde es vergessen;  Zeig mir etwas und ich werde mich daran erinnern; Lass mich etwas tun und ich werde es behalten.“

In Ybbsitz, einem kleinen Ort im Mostviertel, südlich der Donau gelegen, leben die Schwarzen Grafen. So wurden früher die Schmiedeherren in der Eisenstraße genannt.

Wir treffen beim Hammerwerk Eybl ein. Es ist kühl, der Bach rauscht leise vor sich hin und schon beim Überqueren der Brücke erkennen wir unschwer, dass hier ein Künstler am Werk ist. Die Brückengeländer sind mit stilisierten, geschmiedeten Wassertropfen verziert.

Schmiedemeile Kulturpark Eisenstraße Sepp Eybl

Hammerwerk Eybl

Das alte Hammerwerk liegt „In der Noth“, am Fuße einer beschwerlichen Strecke, über die in grauer Vorzeit Eisen und Proviant in und aus der Gegend für die Schmiede gebracht wurde.

Aus dem Dunklen tritt Sepp Eybl hervor. Ich schaue zwei Mal hin und bin überrascht. „Ohne-Leibl-Sepp“. Da wird einem auch klar, warum. Obwohl schon so manche Frau in seinem Hammerwerk fast „erfroren“ wäre (darunter auch die Frau eines Scheichs) begrüßt er uns oben nur mit einer Weste bekleidet. Mich fröstelts beim Anblick.

Beim Betreten der Schmiede fühle ich mich in eine andere Welt versetzt. Altes Gemäuer, nur erhellt durch die geöffnete Tür und  kleine Fenster. Bis zu 500 Jahre alte Maschinen („da schlackern die Amis immer mit den Ohren, wenn sie davon hören“ meint Sepp Eybl) und mir fliegen Begriffe um die Ohren wie Bär und Frosch.

Sepp Eybl und der

Sepp Eybl und der „Bär“ in Aktion. Der Bär ist das Stück, das auf das Eisen schlägt und es formt. Am Ende befindet sich der Frosch, über den der Bär angetrieben wird (oder so ähnlich… 🙂 )

Warum es so dunkel hier drinnen ist erklärt uns Sepp, während er unter lautem Gehämmere ein Blatt aus Eisen kreiert. Der Schmied erkennt die Färbung des heißen Eisens im Dunklen besser und weiß dadurch, wie heiß das Metall noch ist und ob es noch zum Schmieden geeignet ist oder wieder ins Feuer muss.

Bei Eybl Sepp können wir noch nicht unseres Glückes Schmied sein, denn er bietet Kurse für Fortgeschrittene an.

Dafür hat er unsere volle Aufmerksamkeit, wenn er uns erzählt, wie er mit einem Freund eine über 4 Tonnen schwere Maschine von Hand in sein Hammerwerk gebracht hat.

Sepp Eybl Hammerwerk Ybbsitz

„Wer gut aufpasst und mir eine Frage beantworten kann, der bekommt diesen geschmiedeten Nagel von mir.“ Ähhhh, ich hab die Antwort vergessen….

Am Ende seiner Führung zeigt er uns noch einen Holzstock, in dem namhafte Größen aus aller Welt ihren eigenen Nagel hinein geschlagen haben.

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Anschließend gehen wir zum ein paar hunderte Meter entfernten Fahrngruber-Hammer weiter, in dem wir endlich selbst das heiße Eisen ins Feuer werfen. Wir hämmern, was das Zeug hält.

Ybbsitz Eisenstraße Schmiedemeile

So idyllisch es entlang der Schmiedemeile und wie hier beim Fahrngruber Hammer aussieht war es früher beileibe nicht. 14-Stunden-Tage waren keine Seltenheit.

Hämmern, drehen, hämmern, drehen bis das Eisen dünner, länger und spitzer wird. Dazwischen wird es wieder im Feuer erhitzt und zum Schluss in eine Form gezwängt und ein Nagel mit Kopf gemacht.

Anschließend können wir einen selbst geschmiedeten Nagel unser eigen nennen (schön ist anders 😀 ).

„Schmieden ist Plastillin spielen für Erwachsene“. – Sepp Eybl

Übung macht den Meister. Wir sind stolz auf unsere Resultate und „werfen den Ream owi“, was bedeutet, dass die Arbeit getan ist. (Haben die Schmiede früher den Riemen, der die verschiedenen Hämmer angetrieben hat herunter gestreift, stand die Maschine und die Arbeit war für den langen Tag getan).

Schmieden macht hungrig und wir brauchen Stärkung für unsere nächste kreative Aktion. Die hausgemachte Cremeschnitte beim Landgasthof Steinmühl in Ybbsitz wirkt da wahre Wunder.

Cremeschnitte, ein

Cremeschnitte, ein „gspritzter“ Most und die Welt ist in Ordnung.

Begleitet von unserem Sepp, der eigentlich Leopold heißt kommen wir direkt zur 1. Österreichischen Sensenmähschule in Opponitz bei Familie Lueger an.

Sense schwingen in Österreichs 1. Sensenmähschule

Begrüßt werden wir von Johann Lueger und seiner Frau Marianne mit einem Glas Schmiedperle, einem aus der Gegend hergestellten Schaumwein, bevor uns Johann das Sensen mähen erklärt und wir es anschließend selbst ausprobieren.

Marianne Lueger, Herrin des Hauses versorgt uns mit der Schmiedperle.

Marianne Lueger, Herrin des Hauses, versorgt uns mit der Schmiedperle.

Das Dengeln erinnert mich an meinen Versuch mit dem Schmieden. Mit dem Hammer drauf klopfen… Allerdings ist das Dengeln ein sogenanntes Kaltschmieden, damit die Sense wieder schön scharf wird und wir uns beim Sensen mähen nicht hart tun.

Anschließend wird die Sense noch gewetzt und dann gehts ab aufs Feld.

Johann Lueger zeigt es uns vor. Mühelos gleitet die Sense durch das saftige Gras und schon liegt die erste „gmahde Wiesn“ (gemähte Wiese).

 

Wir probieren es selbst aus und stellen uns gar nicht so schlecht dabei an.

Es macht auf jeden Fall Spaß und vielleicht schwinge ich bald unsere eigene Sense zu Hause. Vielleicht. 🙂

Unser Sepp, der nicht Sepp heißt

Unser Sepp, der Leopold heißt, erkennbar an seinem Hut macht tatkräftig mit, wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, uns mit Geschichten über die Region zu erfreuen.

Ybbsitz Mostviertel Kulturpark Eisenstraße

Rent a Sepp

S.E.P.P. heißt übrigens: Service mit Erlebnis und viel P(P)ersönlichkeit.

Wer die Gegend so wie wir genauer erkunden möchte sollte sich unbedingt einen S.E.P.P oder eine S.E.P.Pin in Ybbsitz buchen. Unser Fazit: Kultur kann auch spannend sein und muss nicht langweilig sein wie damals die meisten Schulausflüge. 😉

Nach dem Hämmern in der Schmiede und auf die Sense wissen wir jetzt wo der Hammer hängt!

Mehr übers Mostviertel ⤵ Collage Mostviertel

Mit freundlicher Unterstützung von Mostviertel und Kreativ Reisen Österreich. Die Meinungen sind die eigenen.

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